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Ausgewählte Ausgabe: 05-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Einrohrheizsysteme: Wohnkomfort steigern ohne aufwändigen Umbau

In Kassel erfand Rudolf Otto Meyer (ROM) in den 1960er-Jahren das Rietschel-Henneberg Einrohrheizsystem. Interessanterweise beginnt 50 Jahre später wieder in Kassel die Revolution dieses Systems. Einrohrheizsysteme werden heute weitgehend als problematisch betrachtet.


Sie wurden überwiegend in den 1960er- und 1970er-Jahren eingebaut. In den östlichen Bundesländern erfolgte der Wechsel vom Einrohr- zum Zweirohrheizsystem noch etwas später. Es wird geschätzt, dass in Deutschland insgesamt in mindestens 1,5 Mio. Wohnungen Einrohrheizsysteme eingebaut sind. Diese Wohnungen werden trotzdem vom Mieter nachgefragt, da sie in der Regel relativ zentral liegen, gut ausgestattet sind, häufig über Balkone verfügen und optimal in das ÖPNV-Netz eingebunden sind.

Einrohrheizsysteme – unkomfortabel und problematisch?

Für die Wohnungswirtschaft ist es ein bekanntes Problem: Einrohrheizsysteme geben auch bei Nicht-Bedarf Wärme ab. Speziell bei dem Rietschel-Henneberg Einrohrheizsystem führt nur eine Heizungsleitung durch mehrere Wohnungen. An dieser sind alle Heizkörper wie an einer Perlenkette aufgereiht. Die Vorlauftemperatur des Heizwassers ist so eingestellt, dass das letzte Glied der Kette noch ausreichend mit Wärme versorgt wird. Dies führt häufig zur Überversorgung der Räume am Anfang der Heizungsleitung. Obwohl die Thermostatventile an den Heizkörpern geschlossen sind, entstehen zum Beispiel in Schlafzimmern ungewünscht hohe Temperaturen durch die Heizungsleitungen, die ungeregelt Wärme abgeben.
Dieses generelle Problem der Einrohrheizsysteme wird durch die energetische Sanierung der Gebäude zusätzlich verstärkt, da gut gedämmte Gebäude bis zu 70 % weniger Wärme nach außen abgeben. Die Mieter öffnen zur Temperaturregulierung die Fenster – die Energie wird zum Fenster hinausgeworfen – und der Wohnkomfort der Mieter leidet. Folge: Der Mieter ist unzufrieden und ärgert sich über die in jeder Heizperiode stattfindende Energieverschwendung.

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Heiko Steppan, Teamleiter Heizungsanlagen der GWG Kassel demonstriert indiControl

Je nach eingesetztem Mess- und Ablesesystem kann die über die Heizungsleitung abgegebene, nicht steuerbare Wärme individuell abgerechnet werden oder muss im Umlageverfahren auf alle Mieter verteilt werden. Im letzteren Fall zahlt der Mieter mit geringem Wärmebedarf den gleichen Satz wie der sehr wärmebedürftige Mieter, der viel heizt. In Wohnungsanlagen mit stark unterschiedlichen Heizprofilen beinhaltet dies immer wieder Konfliktpotenzial, das oftmals Anlass für Streitigkeiten bezüglich der Nebenkostenabrechnung gibt. Dem Wohnungsunternehmen drohen nicht selten Imageverluste durch Prozesse.

Die Lösung: ein ständiger, dynamischer hydraulischer Abgleich

Die GWG Kassel hat im Bestand 2 200 Wohnungen mit Rietschel-Henneberg Einrohrheizsystemen in ihrem Wohnungsbestand. Auch hier gab es Mieter, die aufgrund der Eigenarten des Heizsystems dauerhaft unzufrieden waren. Heiko Steppan, Teamleiter Heizungsanlagen der GWG, nahm sich des Problems an und entwickelte eine Systemlösung, die den Wohnkomfort steigert und Energie einspart. Steppan empfand Mieterbeschwerden aufgrund der Überheizung immer als ärgerlich. „Irgendwas musste man doch machen können. Dann haben wir mit der Durchflussregulierung der Heizkreise experimentiert“, sagt er. Das war 2011. Heraus kam indiControl – ein System, das einen ständigen, dynamischen hydraulischen Abgleich vornimmt (Bild 1).

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Autoren

 Peter Ley

Geschäftsführer der GWG Kassel und der GWG Service GmbH.

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