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Ausgewählte Ausgabe: 05-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Saubere Zukunftsluft 2.0

Für gewissenhafte Betreiber einer raumlufttechnischen Anlage führt kein Weg an ihr vorbei: der regelmäßigen Hygienekontrolle nach VDI 6022 bzw. SWKI VA 104 und ÖNORM H 6021. Nach erfolgreicher Erstinspektion muss alle zwei bis drei Jahre eine Wiederholungsinspektion erfolgen, immer durch einen qualifizierten Gutachter und mit erheblichem Dokumentationsaufwand – jedes Mal ein kostspieliges Unterfangen. Wie können neueste Technologien wie Machine Learning und cloudbasierte Schnittstellen für Betreiber, Prüfer und Labore zusätzlichen Komfort schaffen, der den Dokumentationsaufwand und damit die Kosten reduziert?


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Intelligente & automatisierte Komponentenverwaltung

Jeder Mensch wünscht sich saubere Atemluft, und zwar nicht nur auf den Straßen, sondern insbesondere in Gebäuden. Raumlufttechnische (RLT) Anlagen sorgen für den nötigen Schutz vor Verunreinigungen, sind aber gleichzeitig selbst sehr anfällig für unerwünschte Ablagerungen, technische Defekte und mechanischen Verschleiß. Aufgrund dessen haben die Normen VDI 6022, SWKI VA 104 und ÖNORM H 6021 in der DACH-Region die rechtlichen Grundlagen in Form von eindeutigen Hygieneanforderungen geschaffen. Raumlufttechnische Geräte, welche diesen Richtlinien unterliegen, müssen nicht nur bei Errichtung einer Hygiene-Erstinspektion unterzogen werden, sondern in Abhängigkeit davon, ob ein Befeuchter in die Anlage integriert ist, auch alle zwei bzw. drei Jahre einer Wiederholungsinspektion.

Hoher Dokumentationsaufwand

Den größten Aufwand an einem solchen Gutachten generieren in der Regel nicht alleine die Vor-Ort-Begehungen oder die Laborkosten für die Auswertung von Proben. Vielmehr ist es die Komplexität der Datenaufbereitung, die ein Gutachter stets einkalkulieren und überblicken muss. Zunächst einmal macht er sich vor Ort mit der RLT-Anlage vertraut: Er notiert sich den Maschinentyp, lässt sich vom Betreiber die Unterlagen und Prüfbescheinigungen des Herstellers zeigen, sichtet Wartungs- und Instandhaltungsnachweise und ggf. zugehörige Wartungsverträge. All diese Informationen müssen festgehalten und ggf. mit Bildern versehen werden. Bei der Erstinspektion werden zudem Probe-Entnahmestellen definiert, um bei den nachfolgenden Inspektionen immer wieder vergleichbare Prüfwerte zu erhalten. Die entnommenen Proben werden genau beschriftet und dokumentiert. Des Weiteren müssen sämtliche Auffälligkeiten an der Anlage anhand einer vorgegebenen Checkliste protokolliert und fotografiert werden, damit diese später im Gutachten mithilfe von Bildmaterial veranschaulicht werden können.
Die ebenfalls sehr aufwändige Feinarbeit beginnt jedoch erst im Anschluss an die Untersuchung vor Ort. Sobald die Laborergebnisse zu den entnommenen Proben vorliegen, müssen diese den Entnahmestellen zugeordnet und in den Prüfbericht aufgenommen werden. Anhand der vorab recherchierten Informationen zum Gerätetyp ist zu ermitteln, welche anlagen- und herstellerbezogenen Daten für die Prüfung überhaupt relevant sind, da diese in das Gutachten übernommen werden müssen. Abschließend werden die zuvor aufgenommenen Bilder an den richtigen Stellen in den Bericht eingefügt und beschriftet. Wünscht der Anlagenbetreiber zusätzlich grafische Auswertungen oder die Darstellung von Messergebnissen in Diagrammform, werden weitere zeitintensive Arbeitsschritte notwendig. Die Fehleranfälligkeit eines solchen Prüfprozesses im Hinblick auf die Vielzahl an zu berücksichtigenden Informations- und Datenquellen sowie deren Verknüpfungen liegt auf der Hand, ebenso der hohe Zeitfaktor für ein solches Gutachten. Dennoch gibt es Marktteilnehmer, die mit unseriösen Angeboten für unter 500 Euro pro Anlagenprüfung inklusive normkonformer Umsetzung werben – einem Betrag, der in Anbetracht des Arbeitsaufwandes schlichtweg an Preisdumping grenzt.
Letzten Endes handelt es sich bei einer Hygienekontrolle allerdings auch um einen Prozess, der in der Regel immer ähnlich abläuft: fixierte Prüfpunkte, die sich nur aufgrund von Anpassungen der Normen selbst ändern, eine festgelegte Berichtsstruktur, dokumentierte Probe-Entnahmestellen. Es wurde schnell erkannt, dass solch standardisierte Abläufe nach einer automatisierten und damit vereinfachten Dokumentation verlangen. Während bisher aber noch auf individuell programmierte Excel-Lösungen, Access-Datenbanken und Baukasten-Software zurückgegriffen wurde, ist inzwischen die Digitalisierung auch im Bereich der VDI 6022 auf dem Vormarsch.

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Autoren

 Jan Wokittel

Jahrgang 1987, studierte Technische Gebäudeausrüstung & Versorgungstechnik an der Hochschule Trier. Er ist Gründer und Geschäftsführer der 4-check AG, Hersberg (Schweiz).

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