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Ausgewählte Ausgabe: 11-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Herausragende Stille

In Maithenbeth bei München ist es still geworden: Um Lärmbelästigung zu vermeiden, hat die Schreinerwerkstätte Gilnhammer einen maßgeschneiderten Schalldämpfer in ihren Schornstein integrieren lassen. Anschließende Messungen belegen seine Wirksamkeit. Die Maßnahme liefert ein gutes Beispiel, welche Aspekte rund um das Thema Schalldämpfung eine Rolle spielen.


Bild 1 Die Schreinerwerkstätte Gilnhammer liegt östlich der Ortsbebauung

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Die Schreinerwerkstätte Gilnhammer liegt östlich der Ortsbebauung

Die Schreinerei Gilnhammer ist bereits in dritter Generation familiengeführt. Vom klassischen Schreinerbetrieb entwickelte sich das Unternehmen bis heute zum Spezialisten für Messewandsysteme, Messezulieferteile sowie hochwertigen, individuellen Möbelbau.

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Bild 2
Ein Nolting-Kessel als Wärmeerzeuger: Die Holzreste aus dem Betrieb können so genutzt werden

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Die Heizung fand ihren Platz im Bunker. Dort ist auch das Brennstofflager untergebracht

In den Werkstätten sind 40 Mitarbeiter beschäftigt. Im Januar 2017 wurde der Betrieb aus dem Dorfkern nach außen verlagert (Bild 1), wo ein neues Firmengelände dem Wachstum gerecht wird. Dort errichtete Gilnhammer neben dem Betriebsgebäude eine neue Heizanlage, in der unter anderem sämtliche Holzreste aus dem Betrieb genutzt werden. Sie besteht aus einem Kessel des Herstellers Nolting (Bild 2) inklusive Abgas-Zyklon-Filter mit 785 kW, einem Pufferspeicher und einem großen Brennstoffsilo. Die doppelwandige Abgasanlage mit 400 mm Durchmesser wurde außen am Bunker (Bild 3) errichtet. Im laufenden Betrieb stellte sich dann heraus, dass das System lauter war als gedacht. Thomas Gilnhammer entschied sich dafür, diese Lärmemission umgehend fachgerecht beheben zu lassen.

Warum ist es laut?

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Warum ist die Anlage laut? Dazu ist festzuhalten, dass sich Geräusche solcher größeren Kessel durch die Betriebsweise grundsätzlich nicht vermeiden lassen. Abgasschall entsteht bei Heizungsanlagen vor allem durch das Gebläse sowie den Verbrennungsvorgang selbst. Sowohl turbulente Luftvermischungen als auch Flammengeräusche können die Ursache sein. Dies betrifft überwiegend größere Heizkessel. Bei BHKWs sind es vor allem die Zündgeräusche, die eine hohe Lärmentwicklung im tieffrequenten Bereich zur Folge haben. Weitere Faktoren, die den Schalldruckpegel beeinflussen, sind neben der Brenner- und Heizkesselbauart auch der Durchmesser und die Höhe der Abgasanlage sowie die Anzahl der vorhandenen Umlenkungen.
Im ungünstigsten Fall gelangen die Geräusche über die Schornsteinanlage in die unmittelbare Umgebung – wie bei der Schreinerwerkstätte Gilnhammer geschehen. Die tieffrequenten Brummtöne breiten sich kugelförmig von der Schornsteinmündung her aus. Daher sind sie in der Regel auf einer Kreislinie bis zu einer bestimmten Entfernung vom Schornstein zu hören. Zusätzlich beeinflussen auch die topographischen Bedingungen und die vorherrschende Windrichtung die tieffrequente Schallausbreitung, was eine Verschiebung der gedachten Kreislinie zur Folge hat. Diese Auswirkungen waren auch rund um das Gilnhammer-Gelände festzustellen. Hohe Frequenzen entweichen hingegen nach oben gerichtet in die Atmosphäre und stören in der Regel nicht.

Wie lässt sich vorbeugen?

Bei Neubauten und Sanierungen sollte schon während der Konzeption die Lage des Heiz- bzw. Aufstellraums und eine strömungstechnisch günstige Abgasführung beachtet werden. Dabei haben die Verantwortlichen womöglich auch ein Stück Überzeugungsarbeit zu leisten, wenn es um vorbeugende Schallschutzmaßnahmen geht. In jedem Fall muss der lichte Querschnitt des Abgassystems exakt dimensioniert sein. Schallbrücken sind zu vermeiden, auch bei Rohrverbindungsleitungen. Schallschutzhauben für Brenner, Kesselpodeste, angepasste Schwingungsdämpfer oder Kompensatoren helfen, Heizkessel schallreduziert zu betreiben. Wenn möglich sind Verbrennungsluftöffnungen in nicht störende Bereiche zu legen oder mit schalldämpfenden Maßnahmen zu versehen. Verbrennungsluftkanäle zum Raum hin sollten mit Zuluft-Schalldämpfern ausgerüstet werden. Auch die Abkoppelung des Wärmeerzeugers von der Abgasanlage durch einen Körperschallabsorber zählt zur Prophylaxe.
Bei Großanlagen mit mehreren Kesseln hat es sich bewährt, schon in der Planungsphase die oben genannten Aspekte zu betrachten und so weit wie möglich auszuschalten. Sinnvoll ist es ebenfalls, in der Anlage Platz für Schalldämpfer zu reservieren. Das vereinfacht bei Auftreten von Abgasschall die Auslegung und Installation. Die Geräuschemissionen sind aufgrund der vielen Einflussfaktoren trotzdem nur bedingt vorherzusagen. In vielen Fällen wird daher eine Schallmessung durchgeführt, so auch bei der Schreinerwerkstätte Gilnhammer.

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Autoren

 Marion Paul-Färber

Fachjournalistin im PR-Büro Dieter Last, Osnabrück.

Was hören wir?

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Die Grafik der Frequenzbereiche zeigt, wo die Problematik für Menschen und ihr Umfeld liegt. Im Hinblick auf Abgasschall ist vor allem der Bereich von 40 bis 250 Hz von Bedeutung

Das menschliche Ohr kann im besten Fall Frequenzen – das ist die Zahl der Schwingungen je Sekunde – von 16 bis 20 000 Hz wahrnehmen. Im niedrigen Bereich dieses Hörschalls, etwa von 40 bis 250 Hz, nehmen wir Geräusche von Heizungsanlagen und BHKW als tieffrequentes Brummen wahr. Ob sie wirklich stören, hängt von der Lautstärke ab, die in Dezibel gemessen wird. Hier ist zu beachten, dass in der technischen Akustik überwiegend der so genannte A-bewertete Schalldruckpegel eingesetzt wird. Als Kennzeichnung findet sich das Kürzel dB(A). Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass das menschliche Ohr Töne mit gleichem Schalldruck in unterschiedlichen Tonhöhen unterschiedlich laut empfindet. Der A-bewertete Schallpegel ist dabei der Sensibilität des menschlichen Ohrs nachempfunden. Negative gesundheitliche Folgen wie etwa Konzentrationsstörungen können schon ab 60 dB(A) bei einer andauernden Belastung auftreten. Ab 80 dB(A) wird es unangenehm für den Menschen, bei längerer Einwirkung drohen Gehörschäden. Die Schmerzgrenze liegt bei etwa 120 dB(A), ab hier reicht bereits eine kurze Einwirkzeit für Schäden am Gehör.

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