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Ausgewählte Ausgabe: 11-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Mit integraler Planung zu rentabler Energieeinspartechnik

Beim Neubau der Volksbank in der Krefelder Innenstadt entschied sich der Bauherr für eine höherwertigere Raumklimaanlage und ein multifunktionales Wärme- und Kälterückgewinnungssystem, das auch als Rückkühler fungiert. Dadurch konnten der Fernwärmeanschluss und die Kältemaschine verkleinert und auf ein separates Rückkühlwerk auf dem Dach verzichtet werden. Trotz höherer Investitionskosten ist die Gesamtrentabilität des Gebäudes deutlich höher als bei einer konventionellen Lösung mit getrennt arbeitenden Systemen. Selbst gegenüber dem alten Verwaltungsgebäude mit Fensterlüftung und Warmwasserheizung kann das neue Gebäude energetisch punkten.


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Bild 1
Früher stand hier das zuletzt lange Jahre ungenutzte Papst-Johannes-Haus, heute gilt der Volksbank-Neubau als Big Point der Stadt. Prägendes architektonisches Merkmal ist das frei schwebende Dach zur Dionysiuskirche

Offenheit und Transparenz kennzeichnen die neue Hauptstelle der Volksbank Krefeld in einer städtebaulich prominenten Lage zwischen dem Dionysiusplatz mit der Dionysiuskirche und dem von-der-Leyen-Platz. Der Neubau war notwendig, um die stark dezentralisierte Verwaltung der Volksbank in Krefeld, Hüls, Kempen und Lobberich am Standort Krefeld zu bündeln und damit auch Arbeitsabläufe zu optimieren. Hinzu kam, dass die alte Hauptstelle in der Friedrichstraße durch den starken Zuwachs an Privatkunden zu klein geworden ist.
Der viergeschossige Neubau (Bild 1) wird von den Gerber Architekten, Dortmund, sinngemäß so beschrieben: „Prägendes Merkmal im Stadtraum ist das übergroße frei schwebende Dach, welches mit seiner skulpturalen Auskragung den zentralen Haupteingang markiert und interpretiert – so auch den Genossenschaftsgedanken der Volksbank – auch im architektonischen Sinn. Durch die gebäudehohe Glasfassade im Eingangsbereich ist die angrenzende Dionysiuskirche mit ihrem hohen Turm von jedem Standpunkt aus innerhalb der Halle wahrnehmbar und unterstreicht die Einbindung des Neubaus in den Stadtraum.“
Markante Eye-Catcher für die Kunden und Besucher sind die runden Kundenbetreuungsplätze („Marktstände“) in der sogenannten Markthalle im Erdgeschoss; Büros und Besprechungsräume befinden sich überwiegend im 1. und 2. Obergeschoss, während die Abteilung von Vorstand und Aufsichtsrat im 3. Obergeschoss angesiedelt ist.
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Bild 2
Oberhalb dieses Patios wäre das Rückkühlwerk für den Flüssigkeitskühlsatz der Klimaanlage platziert worden. Durch die Integration der Rückkühlfunktion in das RLT-Gerät in Form eines GSWT-Wärmerückgewinnungssystems konnte der umstrittene Aufbau entfallen

Ebenfalls im 3. Obergeschoss befindet sich ein außen liegender, offener, begrünter Patio (Bild 2), ein Freiraum, über dem ursprünglich ein Rückkühlwerk für die Kältemaschinen hätte stehen sollen. Durch die Entscheidung für ein Gegenstrom-Schicht-Wärmetauschersystem (GSWT-System) mit Einkopplung der Abwärme aus der Kälteerzeugung in die Abluft des RLT-Geräts konnte diese etwa 30 m2 große Fläche als Patio ausgebildet werden.
Nach außen hin zeigt sich der Neubau mit einer flächenbündigen Lochfassade, öffenbaren Fenstern sowie einem innen liegenden Sonnenschutz und unterstreicht damit den einladenden, großzügigen, aber auch seriösen Charakter der neuen Volksbank.
Wolfgang Bortz, Prokurist und Bereichsleiter Betriebsservice der Volksbank Krefeld, ist voll des Lobes über die neue Hauptverwaltung: „Das Gebäude ist modern, aber nicht protzig, augenfällig und dennoch dezent, eine „Volks“-Bank im Sinne des Wortes also.“ Ja, das Renommee der Bank sei durch das herausragende städtebauliche und architektonische Konzept gestiegen. Das ohnehin gute Image habe sich nochmals verbessert und auch die Wahrnehmung der Volksbank bei Kunden und Nicht-Kunden erhöht.

Von der Fensterlüftung zur Komfort-Klimaanlage

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Bild 3
Zwei vielbefahrene Straßen ließen dem Bauherrn keine Wahl: die zunächst geplante Fensterlüftung war nicht mehr zeitgemäß. Als Kompromiss zu einer Vollklimaanlage sind Heiz-/Kühl-Unterflurkonvektoren eingebaut; der hygienisch notwendige Luftwechsel wird durch ein einfaches Zu-/Abluftsystem erreicht

Zum positiven Image der Krefelder Volksbank trägt auch bei, dass man hier mit den Ressourcen sparsam, wirtschaftlich und nachhaltig umgeht. Für den Neubau wurde deshalb das Budget für die einzelnen Gewerke strikt gedeckelt. Einfache, in Volksbank-Bestandsgebäuden bewährte Gebäudetechnik sollte auch für den Neubau ausreichen. Doch moderne, stark transparente Gebäude in innerstädtischer Lage stellen höhere Anforderungen als Bestandsgebäude mit großen baulichen Speichermassen. Auch die Lage des Gebäudes an zwei Hauptverkehrsstraßen (Bild 3) erforderte eine Neubetrachtung des Technisierungsgrads.
Für Detlef Wingertszahn, Geschäftsführer des mit der TGA-Planung beauftragten Ingenieurbüros Krawinkel Ingenieure GmbH, Krefeld, war der planerische Spielraum aufgrund der strengen Budgetierung der Bausumme zunächst sehr eingeschränkt. „Durch die Lage an zwei stark frequentierten innerstädtischen Verkehrsstraßen war klar, dass die vom Bauherrn aus Kostengründen favorisierte Fensterlüftung sowohl aus Gründen der Lufthygiene als auch wegen des Straßenlärms keine Lösung ist.“ Ein erster Kompromiss, nur die Räume an den Straßenseiten mit einer mechanischen Lüftung auszustatten, wurde von allen Beteiligten wieder verworfen; er hätte den Gedanken einer Zwei-Klassen-Belegschaft genährt. Damit war klar, dass das geplante Low-Budget-Gebäude in Low-Tech-Ausführung, sprich Radiatorenheizung und Fensterlüftung, weder zum Architektenentwurf noch zur Philosophie der Volksbank passte. Bauherr, Architekt und TGA-Planer starteten danach einen neuen, budgetorientierten Entwicklungsprozess, um zu einer Lösung zu kommen, die Wirtschaftlichkeit, Lufthygiene, Schallschutz, Raumkomfort und Energieeffizienz gleichermaßen berücksichtigt.
Im ersten Ansatz führte dies zu einer eher konventionellen Lösung mit Unterflur-Konvektoren als 4-Leiter-System in den Büros, Fußbodenheizung und -kühlung in der Schalterhalle und einer mechanischen Be- und Entlüftung (ohne Luftkühlung) in den Büros im Sinne der Passivhaus-Philosophie auf der Basis eines RLT-Gerätes mit Kreuzstrom-Wärmerückgewinner. Zur Kälteversorgung der Unterflur-Kollektoren und der Fußbodenheizung/-kühlung war eine Kältemaschine im Untergeschoss mit Rückkühlwerk auf dem Dach vorgesehen. Schnell war klar, dass ein solcher Dachaufbau in der Größe von etwa Länge = 9 m, Breite = 4 m, Höhe = 1,80 m weder zum Stil des Gebäudes passte noch städtebaulich vertretbar war. „Mit konventioneller Technik konnten wir die Aufgabe nicht lösen. Wir mussten hier die Reißleine ziehen, sonst hätten wir später Probleme bekommen“, sagt Wingertszahn.
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Bild 4
Die hocheffizienten Gegenstrom-Schicht-Wärmeübertrager wurden bei SEW in Kempen in sogenannte Leermodule des RLT-Gerätelieferanten montiert und zeitgleich mit dem RLT-Gerät auf die Baustelle geliefert. Um Platz einzusparen ist das RLT-Gerät „doppelstöckig“ ausgeführt

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Bild 5
Durch den Einbau adiabater Kühler in Form von Wabenbefeuchtern konnte die erforderliche mechanische Kühlleistung um immerhin 227 kW reduziert werden

In einem langwierigen Prozess fanden Bauherr, Architekt und TGA-Planer dann einen Weg, der trotz höherer Investitionskosten langfristig wirtschaftlicher ist. Detlef Wingertszahn dazu: „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem GSWT-Wärmerückgewinnungssystem von SEW, Kempen, in Verbindung mit adiabater Kühlung, gemacht. Damit lösen wir mehrere funktionale Probleme gleichzeitig und senken außerdem noch die Anschlussleistungen bei der Wärme- und Kälteerzeugung.“ Dennoch war einiges an Überzeugungsarbeit notwendig, da der Bauherr eine sehr strikte Budgetpolitik verfolgte. Wingertszahn weiter: „Da wir über sehr überzeugende Betriebsergebnisse aus mehr als 80 von uns geplanten GSWT-Anlagen verfügen, die trotz Mehrpreis letztendlich für den Kunden im Betrieb viel wirtschaftlicher sind als eine konventionelle Lösung, konnten wir den Bauherrn und den Architekten von unserem integrierten Ansatz überzeugen. Das Budget für das TGA-Gewerk wurde entsprechend aufgestockt und vertraglich fixiert.“
Im Unterschied zur ursprünglichen Planung mit getrennt arbeitenden Systemen für Zu- und Abluft, Kälteerzeugung und Rückkühlung ist bei der realisierten Lösung das Rückkühlwerk in das RLT-Gerät integriert (Bild 4). Zur Einsparung von Kälteenergie, also zur Reduzierung der mechanisch erzeugten Kälte, sind vor dem Fortluftregister adiabate Verdunstungskühler (Bild 5) installiert.

Klare Entscheidung für Einzelbüros

Entgegen dem allgemeinen Trend zu Großraumbüros mit flexibler Besetzung und sogenanntem Desk-Sharing entschied sich der Bauherr für klassische personifizierte Einzelbüros für einen, zwei oder drei Mitarbeiter. „Nomaden-Arbeitsplätze haben sich im Bankenbereich nicht bewährt“, erklärt Wolfgang Bortz. „Bei Kundengesprächen muss Diskretion gewahrt sein, ebenso bei der Bearbeitung von Nachlassfällen. Und in der Kreditabteilung ist hoch konzentriertes Arbeiten notwendig, da braucht man eine ruhige Umgebung, die ein Großraum nicht bietet.“

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Autoren

 Wolfgang Schmid

Freier Fachjournalist für Technische Gebäudeausrüstung, München.

Energieeinsparungen, ...

... Entlastungen, Gewinne

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Die autonom arbeitende standardisierte Pumpen- und Armaturenbaugruppe für das GSWT-System vereinfacht die Montage und den Betrieb ganz erheblich. Option: Eingesparte Kälteenergiemengen können mitgeschrieben und ausgelesen werden

Integrierte Energiesysteme sparen gegenüber konventionellen Lösungen nicht nur Energie ein, sie benötigen meist auch weniger Platz, führen zu kleineren Anschlusswerten bei Wärme und Strom und zu kleineren Kältemaschinen. Bezogen auf das neue Volksbank-Gebäude ergeben sich durch das GSWT-System von SEW, Kempen, folgende Entlastungen bzw. Gewinne:

  •  Entfall der ursprünglich auf dem Dach bzw. dem 4. Obergeschoss benötigten Fläche mit rund 36 m2 für das Rückkühlwerk
  •  Verzicht auf ein im Untergeschoss angesiedeltes separates Rückkühlwerk
  •  Wegfall von Zu- und Abluftkanälen, falls ein Rückkühlwerk im Untergeschoss eingebaut worden wäre
  •  Verkürzte Montagezeiten und damit niedrigere Kosten durch Vorfertigung der Module (Bild)
  •  Einsparung von 390 kW Heizleistung beim Fernwärmeanschluss
  •  Reduzierung der Kältemaschinenleistung um 227 kW durch adiabaten Wabenbefeuchter in der Fortluft; die Wärmeübertrager dafür sind durch das GSWT-System bereits vorhanden
  •  Verminderung der Rückkühlleistung in der Größenordnung von 800 kW durch adiabate Kühlung
  •  Reserveleistung durch adiabate Kühlung bei Ausfall der Kältemaschine
  •  Kürzeres Außenluftgerät durch die Nutzung bzw. Einspeisung von Wärme bzw. Kälte in das Kreislaufverbund-Wärmerückgewinnungssystem; die bei konventionellen Klimaanlagen notwendigen Vorerhitzer, Kühler und Nacherhitzer entfallen
  •  Niedrigere Wartungskosten für die kleiner dimensionierte Kältemaschine
  •  Wegfall der Wartungskosten für das Rückkühlwerk, die aufgrund strengerer hygienischer Auflagen und Standards nicht unerheblich wären.

Obwohl die Anlage bereits einreguliert ist, hat sich im laufenden Betrieb gezeigt, dass noch ein Optimierungspotenzial vorhanden ist, welches durch eine enge Zusammenarbeit zwischen der Volksbank und den Krawinkel Ingenieuren im Zuge der laufenden Betriebsführung weiter ausgeschöpft wird. Bereits heute liegen die spezifischen Energiekosten des Neubaus unter denen der alten, nichtklimatisierten Volksbank-Geschäftsstelle. Wolfgang Bortz dazu: „Im Vergleich zu unserem alten Gebäude schneiden wir beim Energieverbrauch im Neubau sehr gut ab.“

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