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Ausgewählte Ausgabe: 11-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Bakterien im Trinkwasser eines Krankenhausneubaus

Pseudomonas aeruginosa gilt als einer der gefährlichsten über das Trinkwasser übertragbaren Krankheitserreger. Werden diese in einem Krankenhausneubau kurz vor dem Bezugstermin entdeckt, ist das besonders fatal, so geschehen 2016 in einem Klinikum in Niedersachsen. Die mikrobiologischen Untersuchungen ergaben überhöhte Zahlen an Pseudomonas aeruginosa und allgemeinen Koloniezahlen im Trinkwasser. Durch schnelles und kluges Handeln konnte die Quelle des Erregers jedoch gefunden und die Bakterien eliminiert werden.


Die im Krankenhausneubau entdeckten überhöhten Bakterienzahlen erforderten ein sofortiges und dennoch zielgerichtetes Handeln. Zwar kann der Betrieb der Trinkwasser-Installation mit endständigen Steril-Filtern erfolgen, was jedoch mit erheblichen Zusatzkosten verbunden ist. Sie betragen in einem 800 Betten-Krankenhaus rund 60 000 bis 70 000 Euro pro Monat. Darüber hinaus bleibt der Argwohn von Bauherr/ Betreiber, Angestellten und Patienten im Hinblick auf die Wasserqualität. Daher ist es eine Frage des Images und des Kapitals, die Ursachen solcher Probleme möglichst schnell zu finden und zu beseitigen.

Erste Befunde

Bei der Erstuntersuchung des betroffenen Krankenhausneubaus wurden an einigen Entnahmestellen überhöhte Koloniezahlen und Pseudomonas aeruginosa festgestellt. Pseudomonas aeruginosa ist gesundheits- unter besonderen Umständen sogar lebensgefährdend (fakultativ pathogen).1) Bei jeder dieser routinemäßigen Beprobungen wurden gemäß DIN ISO 19458 nur 100 ml über die Armaturen entnommen. Anhand solcher Befunde lässt sich nur eine Aussage zu diesen „endständigen“ 100 ml machen. Ob darüber hinaus auch der Rest der Installation kontaminiert ist, kann also mit dieser Art der Probenahme nicht geklärt werden.

Die Wahl der richtigen Probenahmestellen und -techniken

Wichtig für die fachgerechten Probenahmen aus Trinkwasser-Installationen ist die Berücksichtigung des Regelwerkes – nur dann können und dürfen Untersuchungsbefunde in Relation zu den Grenzwerten der TrinkwV 2001 gesetzt werden. Weiterhin dürfen Proben nur durch qualifizierte Probenehmer gemäß TrinkwV 2001 § 14 entnommen werden. Eine der wesentlichen Vorschriften zur mikrobiologischen Probenahme aus Trinkwasser-Installationen ist die DIN EN ISO 19458 (Wasserbeschaffenheit – Probenahme für mikrobiologische Untersuchungen). Sie ist weltweit gültig.

Die DIN ISO 19458 verfolgt drei Untersuchungsziele

In diesem Regelwerk wird unter anderen ausgeführt: „Der Ort der Probenahme muss repräsentativ sein und alle vertikalen, horizontalen und zeitlichen Veränderungen berücksichtigen.“ Die DVGW twin 062) fordert für Legionellen-Untersuchungen, was auch für andere mikrobiologische Parameter wie Pseudomonas aeruginosa sinnvoll ist: „Die Probenahme […] ist unter dem normalen Betriebszustand durchzuführen. Die […] Probenserien […] sind an einem Kalendertag zu entnehmen.“ Die Anweisung lautet weiterhin: „Bei Hinweisen auf Erwärmung […] sind für kaltes Trinkwasser Proben zu entnehmen.“3)
Im Wesentlichen verfolgt die DIN EN ISO 19458 drei Untersuchungsziele (Tabelle 1):
- Mit Zweck a) wird das Wasser des Versorgers bis zum Wasserzähler beurteilt – daher ist die Leitung vor der Probenahme immer gründlich zu spülen.
- Mit Zweck b) wird geprüft, ob an den Entnahmearmaturen grundsätzlich Trinkwasser bereitgestellt werden kann – daher erfolgt hier die Probenahme ohne Strahlregler. Dies ist insofern wichtig, weil oftmals dem Strahlregler Bakterien anhaften, die aus der Luft oder von Utensilien wie zum Beispiel einem Spül- oder Putztuch stammen und das Ergebnis verfälschen würden. Weiterhin wird bei Zweck b) immer der Auslassbereich der Armatur desinfiziert und nur ein kleines Volumen vor der Probenahme verworfen.
- Bei Untersuchungen nach Zweck c) wird das Trinkwasser so genommen, wie es aus der Armatur kommt: über den Strahlregler, ohne vorherige Desinfektion und ohne Wasser ablaufen zu lassen. Mit Untersuchungen nach Zweck c) lässt sich beispielsweise klären, ob sich ein Verbraucher bei Nutzung des Wassers an dieser Armatur eine Erkrankung zugezogen haben könnte.

Tabelle 1 Die Art der Probenahme ist auf den Zweck der Untersuchung abzustimmen (DIN EN ISO 19458). In den meisten Fällen sollte nach Zweck b) untersucht werden – trotz des etwas höheren Aufwandes. Weiterhin wird in dieser DIN ISO eine statistische Absicherung der Ergebnisse gefordert

Tabelle 1
Die Art der Probenahme ist auf den Zweck der Untersuchung abzustimmen (DIN EN ISO 19458). In den meisten Fällen sollte nach Zweck b) untersucht werden – trotz des etwas höheren Aufwandes. Weiterhin wird in dieser DIN ISO eine statistische Absicherung der Ergebnisse gefordert

Klare Fragestellung und statistische Auswertungen führen zum Erfolg

Diese exemplarisch aufgeführten Unterschiede zeigen, wie wichtig eine klare Frage nach dem Zweck der Untersuchung bereits vor Beginn ist, um die Probenahme exakt darauf abstimmen zu können.
Weiterhin wird eine statistische Absicherung der Probenahmeergebnisse im Anhang A DIN ISO 19548 gefordert. Denn es ist bekannt, dass in biologischen und technischen Systemen wie der Trinkwasser-Installation einen hohe zeitliche und räumliche Varianz der Untersuchungsergebnisse vorliegen kann. Daher muss nach einem Erstbefund auch die Anzahl der Probenahmen erhöht und es müssen weitere Probenahmestellen in die Untersuchung mit einbezogen werden.

Ist die Kontamination lokal oder systemisch?

Bild 1 Spezielle Eckventile wie das „Comfort PT“ von Schell verfügen über den universell einsetzbaren Temperaturfühler PT 1 000. So kann die Temperatur des Trinkwassers direkt an den Entnahmestellen elektronisch erfasst und über das Wassermanagementsystem „eSchell“ rechtsicher dokumentiert werden

Bild 1
Spezielle Eckventile wie das „Comfort PT“ von Schell verfügen über den universell einsetzbaren Temperaturfühler PT 1 000. So kann die Temperatur des Trinkwassers direkt an den Entnahmestellen elektronisch erfasst und über das Wassermanagementsystem „eSchell“ rechtsicher dokumentiert werden

Der Erhalt der Wassergüte in Gebäuden basiert im Wesentlichen auf einem regelmäßigen Wasserwechsel über alle Entnahmestellen. Mittels Wasserwechsel erfolgt auch die Temperatureinhaltung in der Installation, indem kaltes Wasser und warmes Wasser regelmäßig bis an die Entnahmestellen herangeführt wird. Die Temperaturen sollten regelmäßig überwacht werden, da sie als Indikator für die einwandfreie mikrobiologische Wasserbeschaffenheit gelten (Bild 1).

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Autoren

Dr. Peter Arens

Hygienespezialist und Leiter Produktmanagement bei der Schell GmbH & Co.KG, Olpe.

Druckerhöhungsanlagen...

...  als Unsicherheitsfaktor

DEA fallen immer wieder mikrobiologisch auf. Denn DEA werden zumeist mit Wasser geprüft, anschließend desinfiziert und zumeist kurzfristig danach ausgeliefert. Doch eine Desinfektion ist nur eine Verringerung der Bakterienzahl – sie macht Produkte nicht steril. Daher können sich die wenigen überlebenden Bakterien bereits kurz nach der Desinfektion wieder kräftig vermehren, wenn dies die Umstände erlauben (Wasser und Wassertemperatur, Nährstoffe, ausreichend Zeit).

Was sind Pseudomonaden?

Während Legionellen eher als „zahme Haustiere“ anzusehen und relativ gut zu bekämpfen sind, gelten Pseudomonas aeruginosa als „Bestie“ in der Trinkwasser-Installation. Pseudomonas aeruginosa ist einer der häufigsten und klinisch bedeutsamsten Krankheitserreger. Er verfügt zumeist über Mehrfachresistenzen gegen Antibiotika und stellt im Vergleich zu Legionella nur geringe Ansprüche an die verfügbaren Nährstoffe. Darüber hinaus vervielfacht er sich sehr schnell: eine Verdopplung findet in ca. 20 Minuten statt, während Legionella 2-4 h benötigen. Weiterhin bildet er Biofilm und hat ein großes Temperaturfenster, in dem er wachsen kann. Im Wettbewerb mit den „normalen“ Bakterien einer Trinkwasser-Installation ist er jedoch oftmals unterlegen, weshalb man ihn möglichst nicht mit chemischen Maßnahmen minimieren sollte, um die „normalen“ Bakterien weitgehend zu erhalten und ein „Biofilmmanagement“ zu ermöglichen (vgl. Ergebnisse aus dem BMBF Projekt Biofilm-Management).

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